Nein, ihr habt euch nicht auf einen Kino-Blog verirrt, ihr seid hier ganz richtig. Genau wie der Hinweis auf diesen wunderbaren Film „Lion – Der lange Weg nach Hause“, der leider viel zu wenig Aufmerksamkeit erregt. Denn hätte ich aus der Familie nicht einen Tipp bekommen, wäre „Lion“ an mir vorbeigegangen. Ich hatte vorher noch nie davon gehört, keine Werbung gesehen, kein Trailer im TV und auch sonst nirgendwo etwas darüber gelesen. Vielleicht könnte das auch daran liegen, dass ich mich nicht speziell nach Kinofilmen umsehe, aber die meisten Filme, die ich mal im Kino sehen möchte, erreichen mich vorher durch eine gewisse Berichterstattung (ich sage nur „Die Schöne und das Biest“). Nicht so „Lion“… und dass obwohl der Film mit Nicole Kidman hochkarätig besetzt ist. Sechs Oscar-Nominierungen hat der Film erhalten, aber es hat eben nicht für die goldene Trophäe „gereicht“ und vermutlich auch deshalb wurde der Film nirgends hervorgehoben.

Der Film läuft größtenteils in kleinen Programmkinos, die Großen haben ihn zwar auch im Programm, aber nur zu merkwürdigen Zeiten. In dem Kino, indem wir (der Mann und ich) den Film angeschaut haben, gab es übrigens nicht einmal ein Filmplakat. Man half sich dort in der Auslage mit kopierten Zeitungs-Artikeln aus, aber eine überdimensionierte Kidman oder der attraktive Hauptdarsteller Dev Patel, den man aus „Slumdog Millionaire“ kennt – nö das gab es nicht. Dem Film wird das absolut nicht gerecht – leider. Und aus diesem Grund habe ich mir überlegt, dass ich ein Stück weit mithelfen möchte, damit die Geschichte gesehen wird. Möglichst JEDER sollte diesen Film sehen. So berührend und aufwühlend, übermittelt „Lion“, der auf einer wahren Geschichte basiert, eine wichtige Message. Welche gerade in unserer jetzigen Zeit, jeden etwas angeht.

Meine kurze, spoilerfreie Rezension:

Die Geschichte des kleinen indischen Jungen Saroos, der von seiner Familie getrennt wird, geht sofort ans Herz. Sunny Pawar (8 Jahre alt) der den Jungen spielt, steht seinen „großen“ Schauspielkollegen in Nichts nach. Eine außergewöhnliche Leistung für ein Kind, besonders wenn man bedenkt, wie schwierig seine Rolle war. Nicole Kidman sei hier natürlich auch noch einmal erwähnt, die die Rolle der Adoptivmutter so voller Liebe und detailgetreu spielt, das kein Auge trocken bleibt, wenn sie über den Bildschirm flimmert. Da ist es auch völlig egal, dass sie es privat mit dem Jugendwahn angeblich etwas „wild“ treibt, im Film ist es ihr herzlich egal, wie sie aussieht und das mit einer Überzeugung, die keineswegs gespielt daher kam.

„Lion“ lehrt uns nebenbei wieder dankbar zu sein und zu schätzen, was wir haben.  Die Lektion lernen wir nach nur wenigen Minuten des Films:  Der kleine (echte) Saroo ist fünf Jahre alt, als er sich allein und unverstanden, da er eine andere Sprache spricht, durch Kalkutta kämpfen muss… Mein kleiner Schwede ist ebenfalls gerade fünf und ich habe ihn dort kurz gesehen… hungrig und verängstigt… Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich musste mich zwingen, nicht weiter zu denken… Tränen liefen unaufhaltsam über mein Gesicht, aber ich versuchte es mir nicht anmerken zu lassen. Wollte sie nicht mit einer verräterischen Handbewegung wegwischen, aber ich war nicht allein… Nein, und es waren auch nicht die letzten Tränen in diesem Film…

Ihr seht schon, es hängt ein bisschen Herz an „Lion“ – mir bleibt auch nichts weiter zu sagen außer – GEHT IN DIESEN FILM! JETZT 🙂

Viel Spaß beim Verweilen,
eure Junimama